1019 Finisher in 2019 ... und ich war dabei mit 100 Kilometern

Geschafft ..., zum ersten und gleichzeitig letztem Mal habe ich den Mega-Marsch bewältigt. Auch in diesem Jahr begann er im Rüschpark in Hamburg-Finkenwerder. In drei Startgruppen gingen fast 4.500 Menschen auf die Strecke, die einmal entlang des 2. Grünen Ringes führte.

 

Insgesamt 1.019 Wanderer erreichten innerhalb der möglichen 24 Stunden das Ziel in Teufelsbrück, zu denen auch ich zählte. Insgesamt zweiundzwanzig Stunden habe ich für die Wanderung benötigt. Zweiundzwanzig Stunden, die ich auch heute, einen Tag nach dem ,,Spaziergang" noch deutlich spüre. Es war schlichtweg ein tolles Event.

 

Der Sonnabend begann bei mir bereits um 3:40 Uhr, als ich urplötzlich erwarte. Gegen 08:00 Uhr erwarb ich in einem Discounter noch schnell ein paar Dosen ,,Gummi-Bärchen-Saft", die ich mit auf die Wanderung nehmen wollte. Alles andere hatte ich bereits in meinem Rucksack verstaut, so auch genügend Kleidung, denn der Wetterbericht sah zwar eine trockene, aber durchaus kalte Nacht voraus. Von daher war ,,Zwiebellook" angesagt.

 

Mit meinem Bruder Burkhard habe ich dann kurz vor 10:00 Uhr an den Landungsbrücken die Fähre 62 ,,gekapert". Mit dieser fuhren wir nach Finkenwerder, um dort mit der Fähre 64 direkt zum Rüschpark zu gelangen. Dort angekommen ging es über einen befestigten Fußweg zum Veranstaltungsgelände, auf dem sich gegen 10:30 Uhr schon zahlreiche Menschen tummelten. Kaum zu glauben, aber mich überkam urplötzlich die Müdigkeit, die ich versuchte, damit zu übertölpeln, dass ich mit meinem Bruder schon frühzeitig in den Startbereich gelangte. Im Gegensatz zum Vorjahr, als es Gruppenweise auf die Strecke ging, ertönte schon um 11:40 Uhr nach einem kaum wahrzunehmenden ,,Warm-Up" das Signal zum Start.

 

Wohl etwas mehr als 1.400 Menschen machten sich auf den Weg, zunächst durch Finkenwerder, ehe es in den Süden Richtung Harburg weiterging. Über Sand- und normale Fußwege ging es nach Moorburg, wo ein Deich zu erklimmen war. Die Elbe, die in Finkenwerder noch in greifbarer Nähe war, verschwand in einem Meer von Wiesen und Feldern, Windmühlen neuerer Art zeigten sich am Horizont und sorgten für Strom der Bewohner dieser Gegend. Die Sonne, anfangs noch versteckt hinter Wolken, machte zunehmend auf sich aufmerksam, so dass ich froh war, in kurzer Hose und entsprechendem kurzen T-Shirt losgegangen zu sein.

 

In Harburg erreichten wir in einer Sporthalle den ersten von insgesamt vier Verpflegungs-Stellen auf der gesamten Strecke. Fleißige Helfer hatten hier ein Superangebot u. a. mit Brötchen, Cabanossi und salzige Stangen aufgebaut. Wasser gab es um meinen ,,Camelbag" wieder aufzufüllen.

 

An dieser Verpflegungsstelle (VPS) sah ich meinen Bruder auch zum letzten Mal. Er stieg - wie er mir später schrieb - bereits bei KM 37 (lt. Veranstalter ,,Mega 40") aus, da er schmerzende Füße beklagte. Außerdem sei das Laufen und Wandern nicht so seins. Naja, es ist eben nicht jedem gelegen, so eine Strecke zu bewältigen.

 

Für mich indessen gab es nur ein Ziel: Teufelsbrück!

 

Von daher bewältigte ich die nächsten Kilometer auch in einem Tempo von sechs Kilometer pro Stunde, so dass ich nach der ersten VPS gut drei Stunden benötigte, um die Ballinstadt auf der Veddel zu erreichen. Hier erneut ein Angebot, über das sich wohl niemand beschweren konnte. Nun kam auch Schokolade ins Angebot. Rund zwanzig Minuten pausierte ich hier, zog aufgrund der bald einbrechenden Dunkelheit eine lange Hose an, die dicke Jacke beließ ich noch im Rucksack. Auch die mitgeführten Walkingstöcke kamen jetzt zum Einsatz, die ich bisher nur am Rucksack befestigt, mitführte.

 

Durch Veddel über die Elbbrücken, Entenwerder ging es zur Elbinsel Kaltehofe. Hier durfte ich jubeln: Für die 42,195 Kilometer benötigte ich effektiv 7 Stunden und 26 Minuten. Gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass man letztlich nur wandert bzw. geht.  Kurz vor dem Eichbaumsee zog ich dann auch meine dicke Jacke an, ging fortan mit einer Stirnlampe weiter in Richtung Mittlerer Landweg.

 

Dort nahm ich für kurze Zeit Platz auf einer Bank in einer Bushalte-Station, um dann weiter in Richtung Boberger Dünen zu marschieren. Kurz vorher verabschiedeten sich zwei Mädels, die eine fuhr nach Hause, die andere versuchte sich mir anzuschließen, doch ,,plapperte" die wie ein ,,Entenarsch" und zog ein Tempo an, welches ich nicht mitgehen konnte, schon gar nicht wollte, also empfahl ich ihr, sich jemanden anderes zu suchen, was sie dann auch glücklicherweise tat.

 

Dank meiner Walkingstöcke konnten mir die ,,Boberger Dünen" nichts antun, so dass ich nach 60 Kilometern die dritte VPS beim SV Billstedt-Horn erreichte. Hier nahm ich mir nur eine Pause, konnte nichts essen, auch nichts trinken. 23:30 Uhr zeigte die Uhr an, als ich dort ankam. Gegen Mitternacht zog es mich dann weiter. Mein Ziel: Teufelsbrück!

 

Vorbei am Öjendorfer See und dem Bramfelder See erreichten wir den Friedhof Ohlsdorf. ,,Wir", d. h. einige Leute, denen ich mich anschloss, um nicht ganz alleine in der Dunkelheit unterwegs zu sein. Von Gruppe zu Gruppe wechselten die Menschen, die still, leise, teilweise aber auch laut unterhaltend die Nacht durchliefen. Vom Friedhof durch den Bahnhof Ohlsdorf sollten es noch schlappe 2,7 Kilometer zum vierten und letzten Verpflegungspunkt in einem Kleingartenbereich sein, gefühlt waren es zehn oder sogar elf Kilometer. Durch die am Tage bearbeiteten Parzellen erreichte ich gegen 04:00 Uhr das Vereinsheim der Laubenpieper.

 

Nach einem Toilettengang schnappte ich mir eine Colaflasche, trank diese aus, um mit genügend Zucker im Blut die restlichen zwanzig Kilometer zu begehen, denn laut Veranstalter war hier der KM 80 erreicht. Nach gut einer Stunde Ruhe, Sitzen und Beobachten sowie das Erinnern an meine Mutter, die am 09. April 2019 hätte ihren 80. Geburtstag feiern können, war mir klar, ich muss los! Mein Ziel nach wie vor: Teufelsbrück!

Gegen 05:00 Uhr zog es mich weiter. Vom Kleingartenbereich nun zum Flughafen. Entlang des Sicherheitszaunes weiter nach Niendorf, um von dort das gleichnamige Gehege zu erreichen. Was nun kam, verwirrte mich vollends. Da meine Uhr keine Strecke mehr anzeigte, da fast leer, orientierte ich mich an den Entfernungs-Schildern, die überall aufgehängt waren. Allerdings leider so ungenau, dass ich das Gefühl hatte, dass der Mega-Marsch erst jetzt richtig begonnen hatte.

 

Zum Niendorfer Gehege waren es 2,8 Kilometer, zum Volkspar dann 7,3, mal waren es nur noch 4,3, obwohl ich gefühlt bereits weitere fünf Kilometer gegangen bin. Zudem schmerzten immer mehr meine Füße. Was ich später erst bemerkte, hatten sich einige Blasen, insgesamt vier, bei mir bemerkbar gemacht, die die angeschwollenen Füße noch weiter beanspruchten. Es gab aber nur ein Ziel: Teufelsbrück!

 

Vom Niendorfer Gehege aus erlebte ich dann, dass Stellingen deutlich mehr schöne Ecke aufweist als man gemeinhin ahnen konnte. Kurz vor dem Sola-Bona-Park hatten sich freiwillige Unterstützer mit heißem Kakao und Brühe aufgemacht, die werdenden Finisher zu unterstützen. Dafür an dieser Stelle meinen herzlichen Dank.

 

Fußwege zwischen Wohnblöcken, Parkanlagen und Kleingärten führten uns zum Volkspark. Dieser mit leichten Hügeln (es waren wohl mehr die Brücken) durchquerte ich relativ schnell, um dann Richtung Osdorf weiterzugehen. Hier waren wieder die Schilder, die eine Orientierung möglich machen sollten. Fehlanzeige! Egal, es war die einzige Chance, durchzuhalten. Die Schritte wurden kleiner, die Wege länger, Klein Flottbek, die Bahnstation, musste als Zwischenziel für weitere Hoffnung herhalten.

 

Endlich erreichte ich die ehrwürdige Bahnstation. Die ein- und abfahrenden Züge luden mich ein, mein Zuhause zu erreichen, doch weiterhin gab es für mich nur Teufelsbrück. Noch 2,7 Kilometer, obwohl ... über die Baron-Vogt-Straße es eigentlich nur noch 1,2 Kilometer sind. Es ging aber darum, den 2. Grünen Ring zu durchschreiten.

 

Durch Ecken des Jenischparks, die kaum in Hamburg jemand kennt, wenn er nicht zufällig dort wohnen würde, konnte ich sie erahnen, die Elbe! Aber zu sehen war sie noch nicht. Mal ging es hoch, mal nach unten, dann über kleine Gassen. Lächelnde Anwohner freuten sich mit Anfeuerungsrufen mit den werdenden Finishern. Noch zweihundert Meter, das Überqueren einer Ampel über Elbchaussee und dann das Zielschild vor Augen.

 

Der Moderator feuerte einen jeden, der durch den Zieleinlaufparcours kam, noch einmal richtig an! Zweiundzwanzig Stunden unterwegs mit vielen Pausen, die Medaille unter dem frenetischen Applaus vieler Besucher, aber auch vieler Finisher, die ihre ,,Wunden" sich leckten, Blasen versorgten und ein kühles Bier sich schmecken ließen.

 

Vergessen war die Qual, vergessen aber auch die Vorfreude auf das Event, vergessen der Demut vor der Nacht, vergessen, dass ich nicht nur zweiundzwanzig Stunden durchweg wach war, sondern mithin 31 Stunden, die noch eine weitere Stunde folgen ließ, ehe ich gegen 11:00 Uhr morgens zu Hause angekommen, dann schlafen ging.

 

Im Vergleich zu 2018 bin ich tatsächlich bis an meine Grenzen gegangen, das merke ich immer noch einen Tag später als ich diese Zeilen schreibe. Die Schmerzen vergehen, der Stolz innerhalb der vorgegebenen Zeit 100 Kilometer gegangen zu sein, bleibt. Auf der To-Do-Liste kommt ein Haken hinter dieser Veranstaltung!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Mega-Marsch 2018 mit 60 Kilometern

Erstmals nahm ich an einem Mega-Marsch teil, der eigentlich geplant war, über 100 Kilometern zu gehen. Und zwar auf dem 2. Grünen Ring, einmal komplett rund um Hamburg herum. Die so genannte Freizeitroute 11 - in 100 Kilometern um die Stadt - hatte ihren Start am Rüschpark in Hamburg-Finkenwerder.

Dort hin gelangte ich mit einer Hafenfähre, welche mich direkt an den Anleger Finkenwerder brachte. Mit dem Bus ging es sodann weiter zum Rüschpark wo um 11 Uhr bereits mehrere hundert Menschen sowie einige Vierbeiner (u. a. 1 x Husky, 1 x Boder-Collie, 1 x Mix-Hund) auf den Start um 12 Uhr warteten.

In mehreren Gruppen wurden die Teilnehmer auf die Reise geschickt. Entgegen des Uhrzeigersinnes, da die geplante Strecke aufgrund eines Fußballspieles im Volkspark am Samstag Abend nicht begangen werden konnte.

 

Als Teilnehmer der dritten Startgruppe, die Uhr ,,schlug" 12:20, begann für mich eine noch die absolvierte Veranstaltung. Von Finkenwerder ging es über 18 Kilometer zum ersten Verpflegungspunkt, zum Außenmühlenteich nach Harburg. Bis dahin warteten Wander-, Geröll und landwirtschaftliche Wege auf die zahlreichen Männer und Frauen, die vielfach mit Walkingstöckern unterwegs waren. Übrigens, eine gute Idee für die Veranstaltung in einem Jahr. Es gibt - obwohl ich nun schon über 20 Jahre in Hamburg lebe und durch meine sportliche Aktivität sehr viel kenne - doch einige Ecken der Freien und Hansestadt Hamburg, die ich noch nie gesehen habe.

Dazu gehörten Moorgebiete, dazu gehörten die Felder im Alten Land (Cranz), aber auch viele bewohnte Gebiete, in die man nur aufgrund solcher Events gelangt. Unterwegs lernte ich einen Herrmann aus dem Münsterland kennen, der in gleicher Schrittgeschwindigkeit unterwegs war. Nach etwas mehr als drei Stunden erreichten wir sodann den Außenmühlenteich, der - da das Wetter einfach fantastisch war - von vielen Menschen ,,geflutet" war. Das Angebot, welches uns Wanderern von den Veranstaltern unterbreitete, war äußerst klasse. Nicht nur Wasser und Obst, auch Kekse, Salami und Schokobrötchen sowie andere Leckereien wurden den Wanderfreunden geboten.

Nach einer viertelstündigen Pause machten wir uns in einem Zweierteam auf die nächste Strecke. Ziel war das Auswanderermuseum Ballinstadt auf der Veddel, welches schon nach weitereren knapp 18 Kilometern erreicht wurde. Hier gab es erstmals die Möglichkeit, sich beim Aussteigen eine Urkunde geben zu lassen, für eine Strecke von ,,40 Kilometern".  Bis zur Ballinstadt durchliefen wir Neuland, die Elbhalbinsel Wilhelmsburg hinauf bis zu den Elbbrücken. Kurz vorher der zweite Verpflegungsstopp. Der Herrmann aus dem Münsterland schaffte es einige Minuten später als ich zum Stopp, danach sah ich ihn nicht mehr. Allerdings schafften es mit ihren Führern auch der Husky und der Border-Collie.

Eine weitere Viertelstunde Pause und es ging in kleineren Gruppen zu den Elbbrücken, wo uns ein Fotograf bat, kurz vor der Elbinsel ,,Entenwerder" auf einem Steg ihm zuzuwinken, während der am Anfang der Elbbrücken stehen blieb. Mal schauen, ob ich - wenn´s denn geklappt hat - ein Foto hiervon erhalten kann. Über Entenwerder (übrigens, eine meiner Laufstrecken) ging es nach Kaltehofe. Hier erfuhr ich sodann auch vom Heimsieg des HSV gegen Schalke 04. Bei Kilometer 41 fiel dann meine Stoppuhr aus. Schade, denn bis dahin habe ich immer die Minutenzeiten erhalten, das blieb fortan aus. Für mich durchaus eine Schwächung.

Der dritte Verpflegungspunkt befand sich auf dem Gelände des Sportvereines Billstedt-Horn. Bis dahin waren sodann 60 Kilometer absolivert.  Zuvor ging es vorbei an Allermöhe und dem bekannten Eichbaumsee nach Billwerder. An der S-Bahn-Station ,,Mittlerer Landweg" kamen erste Gedanken, möglicherweise schon beim dritten Verpflegungspunkt nicht mehr weiterlaufen zu wollen, zumal die Wärme, welche ich über den Tag genießen konnte, nun nicht nur den Körper sondern auch die Umgebung verließ. Richtig kritisch wurde es, als ich in den Bereich Bobergs kam. Hier war ich noch nie zuvor in meinem Leben.

Das Problem hier war dann die hereinbrechende Dunkelheit, die das Erkennen der Pfeile auch schwerer machten. Ab und zu wurde ich von Mitläufern und Mitläuferinnen überholt. Gemeinsamkeit wurde hochgeschätzt, so fragte ein Jeder, ob es noch gut ginge, denn nur gemeinsam kommt man ans Ziel.

In diesem Freizeitbereich Boberger Dünen habe ich dann kleine Pausen eingelegt, mir die Stirnlampe aufgesetzt und einen Pullover übergezogen. Endlich erreichte ich die hellerleuchtete Sportanlage, wo fleißige Helfer den Wanderfreunden ein weiteres Mal ein großes Angebot boten.

Allerdings, die Vernunft siegte, endete hier meine Teilnahme mit der Ausstellung meiner Urkunde und dem Beweis, 60 Kilometer den Grünen Ring beschritten zu haben. Gerne hätte ich auch die letzten vierzig Kilometer beschritten, eine Blase am linken Fuß und die Schmerzen, die mir meine Füße und Beine bereiteten, ließen ein weiteres Teilnehmen nicht mehr möglich.

Auch wenn´s dann nur 60 Kilometer waren, so muss ich ehrlicherweise zugeben, es war eine wundervolle Strecke, die man in Hamburg entweder per Fahrrad oder wie wir - per Fuß - bewältigen kann. Tendenziell würde ich auch im nächsten Jahr noch einmal an diesem Wanderevent teilnehmen, denn es ist nicht unmöglich, die 100 Kilometer zu absolvieren. Bis zu meinem Aussteigen gegen 23 Uhr war ich etwas mehr als elf Stunden (inklusive Pausen) unterwegs, hatte also noch für die restlichen vierzig Kilometer weitere zwölf Stunden, das muss doch klappen, nicht wahr? Also 2019 noch einmal ,,Mega" sein!